Am Sonntag, 1. März 2026, war es wieder soweit. Die Geschwister, Gäste und Freunde der Gemeinde Dormagen erlebten den ersten Entschlafenen-Gottesdienst in diesem Jahr. Ein Feier- und Freudentag. Der Gottesdienst, der von Pr. Klaus Rabenhorst durchgeführt wurde, hatte als Grundlage ein Wort des Stammapostels. Das Textwort aus Johannes 11,43 lautete: Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!
Pr. Rabenhorst begrüßte zu Beginn des Gottesdienstes alle anwesenden Kinder mit Namen – und das waren nicht wenige. Er zeigte Verständnis für die Kinder, dass es für sie bestimmt ein schwieriges Thema sei.
In anschaulicher Art legte Pr. Rabenhorst das TW aus. Er zeigte auch die menschliche Reaktion der beiden Schwestern, welche um ihren Bruder trauerten. Uns wurden die unterschiedlichen Reaktionen der beiden geschildert, aber auch den unerschütterlichen Glauben der beiden an ihren Freund, den Herrn Jesus.
Jesus hat aber nicht nur den Lazarus gerufen. Er ruft auch jeden von uns. Immer wieder. Der Prophet Jesaja schreibt in Jes. 43,1: … ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
Der Ruf Jesu: „Komm heraus!“ kann auf Lebende und Tote bezogen werden.
Überlegen wir alle aus was wir besser herauskommen sollten, was nicht gut für uns ist und was dem Herrn Jesus nicht gefallen könnte.
Die Lebenden und die Toten werden zu einem Leben mit Gott aufgerufen.
Wagen wir es doch einfach mal - konsequent!
Pr. Rabenhorst sprach auch davon, dass es eigentlich gar keine „Toten“ gibt. Bei Gott leben sie alle, immer. Diese Seelen „leben“ nur in einem anderen Bereich.
Auch die Seelen in den jenseitigen Bereichen, welchen wir heute unsere besondere Aufmerksamkeit widmen, müssen ihr „Grab“ verlassen und allen Hass und alle
Verbitterung über erfahrenes Unrecht, das ihnen widerfahren ist, überwinden und vergeben.
Und das ist mit Sicherheit nicht leicht. Unsere Gebete dienen dazu, sie bei diesem Kraftakt zu unterstützen.
Denn, Unrecht und Ungerechtigkeit geschehen weltweit jeden Tag – überall. Diese Seelen müssen sich von Egoismus und Selbstisolation trennen und sich auf die
Gemeinschaft der Christus-Nachfolger, der Christen, zubewegen. Dieser Kraftakt, der dafür erforderlich ist, ist wohl genauso groß wie die Vergebung und Überwindung.
Der Vorsteher der Gemeinde, Pr. Herholz, vertiefte die Gedanken von Pr. Rabenhorst in seiner ihm eigenen, ganz besonderen Art und unsere Priesterin Katrin Hopp wandte sich in schöner und mit einem anschaulichen Beispiel auf spielerische Weise nochmal an die Kinder und bereitete uns auf das Heilige Abendmahl vor.
Wie eingangs erwähnt: Es war ein Feier- und Freudentag.
Schade, dass unsere Augen nicht sehen konnten, welche Freude im Himmel ausgelöst wurde.
Vor dem Gottesdienst hat uns unsere Glaubensschwester Astrid Kerfs auf das Gedenken an die Entschlafenen eingestimmt.
Am Tag zuvor, Samstag, hat sie uns auf dem Ehrenfriedhof in Dormagen mit ihrer besonderen Art und ihren tiefgehenden Recherchen schon mit Informationen aus einem Teil der Dormagener Geschichte versorgt (wir berichteten).
Heute, vor dem Gottesdienst, berichtete sie von den vielen, vielen unbekannten und namenlosen Toten. Sie hielt zu Anfang ein Bild hoch. Darauf war ein schwarzer, gesichtsloser Kopf zu sehen (siehe Bildergalerie). In der Mitte des Kopfes war ein großes weißes Fragezeichen zu sehen. Ein Unbekannter oder eine Unbekannte.
Dann berichtete sie:
Es gab in Deutschland im Jahr 2025 ca. 3200 unbekannte Tote.
Es gab drei Hauptgruppen: Mordopfer, Obdachlose und Ausländer ohne Papiere.
Insgesamt gibt es viele unbekannte Tote:
Soldaten, zivile Opfer in Kriegen, Opfer von Seuchen in Massengräbern, Opfer von Naturkatastrophen, Menschen auf der Flucht oder die auf illegalen inreisewegen gestorben sind, oft ohne Papiere. Es stellt sich ja auch die Frage nach der Würde des Menschen.
Erst seit wenigen Jahren gibt es Vereine, die sich für eine würdevolle Bestattung von Obdachlosen einsetzen. Die gesetzliche Regelung lautet: Feuerbestattung, anonyme Beisetzung, oft Massenbestattung und Gemeinschaftsgräber - ohne Gedenkstein. Einige Friedhöfe haben neuerdings eine Ecke für obdachlose Tote – mit Gedenkstein. Wir halten es mit dem Wort aus Luk. 10,20: … freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.
Nach dem Gottesdienst traf sich die Gemeinde noch im Gemeinschaftsraum zum monatlichen Gemeinde-Cafe, mit Hefezopf und verschiedenen Süppchen.
Es war einfach alles schön an diesem Tag.
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