Na gut, normalerweise lautet das Sprichwort eigentlich „Aller guten Dinge sind drei“, aber da der Gottesdienst, den Apostel Franz Wilhelm Otten am 15. Juli 2026 in unserer Gemeinde gehalten hat, ganz im Zeichen der Zahl Zwei stand, machen wir mal eine kleine Ausnahme.
An diesem Abend kamen nämlich zwei Gemeinden (Kerpen-Stadt und Bergheim) in Horrem zusammen, es gab zwei Predigtbeiträge (Apostel Otten und Priester Otto), es wurden zwei besondere Handlungen durchgeführt (Versiegelung und Inruhesetzung), zwei Ensembles boten den großartigen musikalischen Rahmen (Seniorenchor und Instrumentalkreis) und – von den meisten vermutlich so noch nie erlebt – es gab zwei Textworte.
Und das kam so: Apostel Otten las zu Beginn des Gottesdienstes zuerst das ursprünglich vorgesehene Textwort aus Philipper 2, 3 und 4 vor: „Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.“ Während des anschließenden musikalischen Beitrags entdeckte er allerdings als Gäste Geschwister aus Süddeutschland in der Gemeinde. Von ihnen wusste er, dass sie am 21. Juni 2026 am Gottesdienst des Stammapostels Helge Mutschler in Karlsruhe-Mitte teilgenommen hatten. Die Grundlage dieses Gottesdienstes war ebenfalls das oben genannte Textwort. Um den Geschwistern eine „nahezu identische Predigt zu ersparen“ (mit Augenzwinkern), entschied sich Apostel Otten spontan um und wählte Philipper 4, 4 als neues Textwort: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“
Er betonte in seinem Dienen, dass Freude nicht verordnet werden kann und wir uns oft in Lebensverhältnissen befinden, in denen uns ganz und gar nicht nach Freude zumute ist. Dann sollen wir uns auf unsere Beziehung zu Gott besinnen, an den wir uns allezeit mit unseren Sorgen wenden können, und der uns eine wunderbare Zukunft verheißen hat. Diese tiefe Freude unterscheidet sich deutlich von aufgesetzter Freude, die bei vielen Menschen eine positive Lebenseinstellung lediglich vortäuschen soll, und geht erheblich weiter als kurzzeitige Glücksgefühle. Apostel Otten machte dabei auch bewusst, dass Freude kein Selbstläufer ist, sondern regelmäßig durch Konfliktsituationen, Ängste und um sich greifenden Egoismus auf die Probe gestellt wird. Dann heißt es, sich erneut unserer Beziehung zu Gott bewusst zu werden und so diese trüben Lebensphasen zu überwinden.
In seinem letztmaligen Mitdienen griff Priester Klaus Otto diese Gedanken auf und stellte der Gemeinde die Frage: „Was ist denn in unserem Glauben diese Freude?“ Als Antwort auf diese Frage betonte er, dass die Freude im Glauben nicht einfach so ein Gefühl, ein schöner Moment, ein Geschehnis oder Erleben ist, sondern das Bewusstsein der absoluten Geborgenheit in Gott. Er verwies darauf, dass Apostel Paulus in seinem Brief an die Galater bereits als zweite Frucht des Heiligen Geistes die Freude nannte (nach der Liebe). Als Inbegriff der Liebe in allen Dingen nannte Priester Otto Jesus Chrisus, der für uns alles gegeben hat. Was diesen Jesus alles ausmachte, ist nachzulesen im Johannes-Evangelium (die sogenannten „Ich-Worte Jesu“). Priester Otto betonte, dass Jesus alles Leid ertragen hat, damit wir eines Tages mit ihm vereint werden können. Dann wird die Freude vollkommen sein. Zum Abschluss seiner Predigt ließ er noch einmal die Gemeinden Revue passieren, in denen er während seiner Amtsträgerzeit tätig war und dankte seiner langjährigen Übersetzerin in Fernost-Russland, Schwester Schirjajewa. Besonders geprägt hat ihn seinen bereits in die Ewigkeit gezogenen Vorsteher der Gemeinde Brauweiler, Priester Dietrich Hahn sowie seine Ehefrau Heidi als besondere Lehrerin. Das Schlusswort war schließlich: „Maran atha, unser Herr kommt.“
Versiegelung und Inruhesetzung
Zur besonderen Freude aller Anwesenden versiegelte Apostel Otten in diesem Gottesdienst Schwester Rova. Sie stammt ursprünglich aus Madagaskar und ist die Ehefrau unseres Priesters Julian Görtz.
Es folgte dann die Inruhesetzung von Priester Otto, der insgesamt 42 Jahre als Amtsträger und in zahlreichen weiteren Funktionen (Chorleiter, Organist, Missionsreisen nach Fernost-Russland et cetera) in den Gemeinden Brauweiler; Pulheim und Horrem, jetzt Kerpen-Stadt, tätig war.
Das Ende dieses außergewöhnlichen Gottesdienstes war allerdings mitnichten das Ende dieses Abends. Köstliche Schnittchen, leckere Getränke und wundervolle Gespräche verhinderten bei den meisten Geschwistern eine zu frühe Nachtruhe.
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