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Große Freude bei den Hörgeschädigten-Tagen 2009 in KölnMontag, 31.08.2009
Köln/Hürth. „Es war perfekt, einfach nur schön!“ beschrieb eine Teilnehmerin das diesjährige Treffen der hörgeschädigten Mitglieder der Neuapostolischen Kirche aus Deutschland und der Schweiz.
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Etwa 400 Teilnehmer waren am letzten August-Wochenende aus allen Himmelsrichtungen ins Rheinland gekommen. Erstmals fand das jährliche Treffen in Köln statt, worauf sich die Teilnehmer schon seit Wochen gefreut hatten. Begegnungen und Besichtigungen in der Domstadt standen am Samstag, dem 29. August, auf dem Programm. Höhepunkt der Hörgeschädigten-Tage 2009 war der Festgottesdienst mit Bezirksapostel Armin Brinkmann am Sonntag, dem 30. August, im Feierabendhaus Hürth.
2000 Jahre Geschichte an einem Nachmittag
Die Teilnehmer reisten im Lauf des Samstagvormittags an und wurden in den Jugendherbergen Köln-Deutz und Köln-Riehl untergebracht. Nach dem gemeinsamen Mittagessen erkundeten sie gruppenweise die Stadt Köln und ihren berühmten Dom. Die Führungen wurden jeweils in die Lautsprache begleitende Gebärdensprache übersetzt.
Nach den prägenden Eindrücken aus 2.000 Jahren Kölner Stadtgeschichte ging es mit Bussen zum Feierabendhaus nach Hürth. Dort fand eine zweistündige Festveranstaltung statt, in der sich die hörgeschädigten Teilnehmer sowie ihre Freunde und Begleiter aus den jeweiligen Regionen mit verschiedenen Programmbeiträgen präsentierten. Bezirksapostel Armin Brinkmann eröffnete als Gastgeber die Veranstaltung, die durch Vorträge, Musik und ein heiteres Bühnenstück die Fantasie und Ausdrucksmöglichkeiten der Teilnehmer unter Beweis stellte.
Heilung durch Begegnung und Glaube
Zum Festgottesdienst am Sonntag waren neben den hörgeschädigten Geschwistern auch die Mitglieder zugegen, die in ihren Familien Angehörige mit Behinderungen zu versorgen haben. Insgesamt füllten 920 Teilnehmer den großen Festsaal und die Empore des Feierabendhauses.
Bezirksapostel Brinkmann legte seiner Predigt eine Bibelstelle aus dem Matthäus-Evangelium zu Grunde (Matthäus 9,21.22). Hier wird von der Begegnung einer kranken Frau mit Jesus erzählt, die kraft ihres Glaubens und der Nähe Jesu gesund wird. Einige prägnante Aspekte stellte der Bezirksapostel in Bezug auf diese heilsame Begegnung heraus:
1. „Jesus ist nahe“
2. „Jesus hat sich umgedreht – Du bist wichtig“
3. „Jesus ist stehen geblieben und hat die Frau angesprochen“
4. „Jesus heilte sie“
Diese Verhaltensweisen bezog er auf die heutigen Möglichkeiten der Begegnung mit Jesus in der Gemeinde, im Gebet und im Gottesdienst. Anhand weiterer Beispiele führte der Bezirksapostel aus, dass Jesus jeden Einzelnen liebt und der Glaube alles überwinden könne. Die Kraft aus dem Gebet gelte es zu nutzen, auch solle der „Blickkontakt“ zu Jesus stets spürbar sein.
Im weiteren Verlauf des Gottesdienstes predigten Hirte Dieter Roß aus der Gebietskirche Hessen, der Bezirksälteste Kurt Suter aus der Schweiz, Bischof Bernd Dittus aus Süddeutschland sowie Bischof Rainer Sommer aus dem Bezirk Bonn.
Poesie in Bewegung
Vor und während der Feststunde eröffnete die Verständigung der hörgeschädigten Teilnehmer einen Einblick in die lebhafte Kultur dieser besonderen Gemeinde. Mit Hilfe der Lautsprache begleitenden Gebärdensprache wurden nicht nur die jeweiligen Predigtinhalte übersetzt, sondern auch Chormusik gestaltet und sogar ein Gedicht vorgetragen (Gebärdenpoesie). So diente dieses Kommunikationsmittel sowohl zur Verständigung als auch dazu, Texte poetischer und ausdrucksstärker zu vermitteln, je nachdem, wie behutsam oder schwungvoll die Gebärden ausgeführt wurden.
Der Gebärdenchor „Singende Hände“ aus Leipzig sorgte für eine so sichtbare wie einfühlsame Interpretation der vorgetragenen Musikstücke. Eine weitere Gruppe verlieh dem Wunsch „Gott schenke mir Vertrauen“ in einer durch Mimik und Gestik synchronisierten Poesie sichtbare Gestalt.
Glaube hat keine Grenzen
Rückblickend auf das Eingangslied aus dem Gesangbuch 363 („Das sei alle meine Tage“) erhielt die versammelte Gemeinde noch ihre „Hausaufgaben“ für die kommenden zwei Wochen: Jeden Tag sollte eine der 14 im Liedtext aufgeführten „Ob-Fragen“ beantwortet werden.
Zum Ende des Gottesdienstes appellierte Bezirksapostel Brinkmann noch einmal an die Zuhörer, das Unmögliche zu wagen. Im Vertrauen auf Jesus sei es möglich, sich zu freuen, auch wenn es einem schlecht gehe.
Nach dem Heiligen Abendmahl für Entschlafene, das zwei Diakone stellvertretend entgegen nahmen, wurde Diakon Norbert Ellersiek aus der Gemeinde der Hörgeschädigten zum Priester für Nordrhein-Westfalen ordiniert.
Begeistert von Köln
Was ihnen an diesem Wochenende besonders gefallen hätte? Eine Blitzumfrage unter den teilweise schwerst behinderten Glaubensgeschwistern und ein Blick in die strahlenden Gesichter ließ große Begeisterung erkennen. Köln sei „eine tolle Stadt“ und sie hätten viel Spaß gehabt. Organisatorisch und selbst vom Wetter her sei einfach alles perfekt gewesen. Vor allem der intensive Kontakt zu einander und die persönliche Ansprache durch die Amtsträger habe die Geschwister gestärkt. Die eigenen Probleme seien zwar immer noch vorhanden, aber man habe jetzt mehr Kraft, mit ihnen umzugehen.
„Von so einem Event lässt sich ein ganzes Jahr lang zehren“, fasste ein Teilnehmer die Wirkung der Hörgeschädigten-Tage 2009 zusammen. Solange wird es auch noch dauern bis das nächste länderübergreifende Treffen stattfindet. 2010 geht es nach Berlin. In der Zwischenzeit wird es jedoch weitere Gelegenheiten zur Gemeinschaftspflege innerhalb der Gebietskirchen geben und auch überregionale Treffen finden mehrmals im Jahr statt.
Gemeinschaft und Gottesdienste für Hörgeschädigte seit rund 50 Jahren
Hörgeschädigten-Seelsorge und spezielle Gottesdienste für diese Zielgruppe gibt es in Nordrhein-Westfalen bereits seit rund 50 Jahren. Die hörgeschädigten Mitglieder der Neuapostolischen Kirche bilden innerhalb eines regionalen Bezirks eine eigene Gemeinde, die von einem Gemeindevorsteher und weiteren Priestern und Diakonen betreut wird.
Zu dieser Betreuung zählt auch die individuelle Seelsorge mit den dazugehörigen Seelsorgebesuchen. Parallel dazu gehören sie alle auch ihrer Wohnsitzgemeinde an und sind dort als Gemeindemitglieder integriert.
Astrid D. Range

