Ein Hauch von urchristlicher Gemeinde wehte am dritten Adventssontag durch die Kirche. Bei der Weihnachtsfeier wurde lebendig, was im Gottesdienst bereits in der Predigt angeklungen war.
Als Grundlage für den Gottesdienst diente ein Bibelwort aus Johannes 1, 14: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
In der Predigt lenkte Vorsteher Martin Moog den Blick auf das Johannes-Evangelium, das sich von den anderen Evangelien unterscheidet. Es war für eine Gemeinde geschrieben worden, die neben Juden auch aus Griechen bestand, die einen anderen Zugang zu Gott hatten. „Wenn zu ihnen jemand sagt: Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott. Und dann: Jetzt ist das Wort Fleisch geworden, dann ist das etwas, was sich gut für sie erschließt.“ Und dieses Wort macht deutlich: Gott ist nicht nur mal zu Besuch gekommen. Er hat wirklich als Mensch auf dieser Erde gelebt. Dadurch haben die Menschen Gott dann auch auf eine ganz neue Weise erlebt. „Durch Jesus wurde gewissermaßen aus ‚Sie“ ein ‚du‘.“ Und daran hat sich nichts geändert. „Auch heute wünscht sich Jesus einen festen Platz in unserem Leben.“
Im Gottesdienst beschrieb Martin Moog auch die Gemeinschaft der ersten Christen. Diese hatten sich täglich versammelt und alles miteinander geteilt. Zwar sehen sich die Geschwister der Gemeinde Köln-Süd nicht täglich, aber auch sie bringen ihre Gaben in die Gemeinschaft ein. Dass es davon sher viele gibt, konnte bei der anschließenden Weihnachtsfeier jeder sehen.
Den Anfang eines kleinen Kulturprogramms machten die Kinder mit dem Lied „Heute leuchten alle Sterne“. Und auch als Schauspieler wussten die Jüngsten zu begeistern. Während eines Theaterstückes konnten sich die Geschwister davon überzeugen, dass es im Stall vom Betlehem auch wilde Tiere gegeben hatte – aber vor allem davon, dass der Bär nicht mehr brüllte und der Löwe seinen Krallen eingezogen hat und ganz friedlich geworden ist, als er das Kind in der Krippe sah.
Der Jugendchor legte mit dem schwedischen Weihnachtslied „Jul, jul, stralande jul“ (deutsch: Weihnachten – strahlende Zeit) das nächste musikalische Geschenk auf den Gabentisch.
Einen besonderen Moment der Besinnlichkeit schuf das selbstgeschriebene Lied „Wisst ihr warum wir Weihnachten feiern?“ Humorvoll ging es danach mit der Geschichte von der Weihnachtsmaus weiter und schwungvoll mit der Gitarre und dem Lied „Santa Claus is comming to town“. Zur Adventszeit gehören auch Traditionen. Und zur Weihnachtsfeier in der Gemeinde gehört der jährliche Weihnachtssketch, der in diesem Jahr von den Jugendlichen aufgeführt wurde. Im Mittelpunkt stand ein junger Mann, der ganz friedlich, alleine und ohne Stress Weihnachten feiern wollte, sich aber in einem Albtraum mit einer einnehmenden Verwandtschaft, voller weihnachtlicher Folklore, einem sprechendem Baum und einer herzhaften polnischen Weihnachtsgans wiederfand. Manche Szenen luden zum Schmunzeln ein und dürften den ein oder anderen an den eigenen, nicht ganz unkomplizierten Alltag im Advent erinnert haben. Im Anschluss lockten leckere Linsensuppe, Würsten, Gebäck, Kuchen und manches mehr, sodass nicht nur das Herz, sondern auch der Magen gefüllt werden konnte.
Die Geschwister hatten aber nicht nur ihre eigenen Bedürfnisse im Blick, sondern auch diejenigen, für die Lebensmittel nicht im Überfluss vorhanden sind. So erfuhren die Geschwister an diesem Nachmittag, dass beim Adventsbasar zugunsten des Hilfsprojekts „Wasser für Kleinbauern in Malawi“ über 1600 Euro eingesammelt wurden. Um das zu ermöglichen hatten viele fleißige Helfer gebacken, Marmelade eingekocht, gestrickt und gebastelt und die Käufer hatten sich großzügig gezeigt. Und so fühlte es sich an diesem Tag an, wie es damals bei den ersten Christen gewesen sein muss: das was wir haben, teilen wir und die Freude, die wir geben, kommt ins eigene Herz zurück.
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